Konvertierung - Effizienz - Compliance - Sicherheit

Geschäftswissen ist Unternehmenskapital. Daher muss es jederzeit sicher und schnell abrufbar sein. Eine einheitliche Speicherinfrastruktur ist dabei wichtige Voraussetzung. IT-Abteilungen stehen vor vielfältigen Herausforderungen – nicht nur wegen immer größerer Datenmengen. Das Ergebnis gewachsener IT-Systeme ist häufig ein Nebeneinander verschiedenster Technologien. Die Überführung alter Datenbestände aus heterogenen Umgebungen in neue aktuelle und einheitliche Speicherumgebungen steigert die Effizienz, erhöht die Sicherheit und hilft Unternehmen, Daten konsistent verfügbar zu halten.

IT-Effizienz und Compliance

Backup-Flickenteppiche entstehen schnell. So etwa bei Zusammenschlüssen von Unternehmen, wo Informationen beider Firmen zusammengeführt, vereinheitlicht und weiter verfügbar bleiben müssen. In einheitlichen Speicherumgebungen können Daten einfach gesichert und wieder hergestellt werden. Backup-Prozesse lassen sich effektiver automatisieren. Eine nun schnell und einfach durchzuführende Deduplikation verringert Speicherplatz. Kosten für Hardware und Strom sinken. Zudem sinkt das Risiko von Fehlbedienungen, das steigt, je mehr verschiedene Backup-Plattformen parallel betrieben werden. Gesetzliche Aufbewahrungspflichten können letzten Endes nur durch regelmäßige Überführung in aktuelle Speichertechnologien eingehalten werden. Wirtschaftsprüfer verlangen oft die Vorlage alter Datenbestände – so im Fall einer Bank die Vorlage von 17.000 Buchungssätzen aus den 1980er Jahren. Wenn Bänder vorliegen, die passende Software und Laufwerke aber nicht mehr, wird deutlich, dass Compliance durch Konvertierung erst möglich wird.

Projekt Konvertierung

Konvertierungsprojekte sind umfangreiche, je nach vorliegender IT-Landschaft individuelle Projekte. Jede gewachsene Speicherinfrastruktur hat ihre speziellen Probleme. Konvertierungsprojekte können daher nicht mit Standardlösungen bedient werden. Sie umfassen immer fünf Leistungsfelder:

  1. Projektanalyse / Spezifikation
  2. Katalogisierung / Indexierung
  3. Restore und Deduplikation
  4. Weiterverarbeitung der Daten / Migration und Konvertierung
  5. Medienkonvertierung

1. Projektanalyse / Spezifikation

Der erste Schritt ist eine umfassende Analyse des Ist-Zustands. Wichtig sind dabei die jeweiligen Motivationen des Projekts. Bei einer plötzlichen Anfrage auf Vorlage von gerichts- oder prüfungsrelevanten Informationen muss schneller reagiert werden als bei einer vorsorglichen Konvertierung. Die Erfassung der Medien (Typ und Zustand) ist genauso wichtig wie die Klärung des geeigneten Zielmediums. Auch Datenschutzrichtlinien spielen eine Rolle: Dürfen Daten das Unternehmen verlassen – sei es physikalisch oder durch Auslagerung? In manchen Fällen müssen komplette Serverkonfigurationen exakt nachgebaut werden, um Zugriffsrechte rekonstruieren zu können. Je nach Zeitbedarf lassen sich die technischen wie personellen Ressourcen festlegen.

2. Katalogisierung / Indexierung

Die Katalogisierung schafft eine Übersicht der Datenbestände. Oft müssen nicht oder mangelhaft dokumentierte Backups händisch nach Art des Datenträgers, Zustand und verwendetem Backup erfasst werden. Dieses Inventar bildet die Basis für jede weitere Verarbeitung der Daten und für die Priorisierung der Informationen. Selbst beim Backup-Gau von in ihrer Reihenfolge durcheinander gebrachter Bänder können Bandserien rekonstruiert werden. Experten schaffen dass auch bei Stripe-Aufzeichnungsverfahren, die parallel verschiedene Bänder beschreiben und deren Rekonstruktion schnell zu einem Puzzlespiel wird.

3. Restore und Deduplizierung

Im nächsten Schritt müssen die Daten aus den verschiedensten Bandformaten heraus mit einer Simulation der bei der Abspeicherung verwendeten Backup-Software neu ausgelesen werden. Je nachdem, wie kompatibel die vorhandenen Ursprungsmedien mit den Zielmedien sind, werden Daten direkt auf das Zielmedium ausgelesen oder in Zwischenschritten auf File-Servern zwischengelagert. Nach Bedarf werden dann Daten neu aufgeteilt. Wer dabei mit Datenrettungsexperten zusammenarbeitet, ist hier gut bedient. Häufig stellt sich nämlich jetzt heraus, dass die Datenträger beschädigt sind. Wenn Daten schlecht gelagert wurden oder durch Hitze oder Sonneneinstrahlung porös geworden sind, können Experten dann auch gleich eine Datenrettung durchführen. Im nächsten Schritt kann Deduplikation für die Löschung von Dopplern und damit für die Verringerung des Datenaufkommens sorgen. Wenn nicht aus rechtlichen Gründen die Aufbewahrung der kompletten Daten nötig ist.

4. Weiterverarbeitung der Daten / Migration und Konvertierung

Daten können aus den verschiedensten Umgebungen auf neue Sicherungssysteme überspielt werden. Auch hier gibt es keine Standardlösungen. Im Mainframe-Bereich gibt es allein schon bei IBM verschiedene Formate. UNIX kennt mit TAR, CPIO und DUMP schon drei Grundformate. Auch in Windows-Office-Umgebungen gibt es unterschiedliche Backup-Formate. Ein weiteres Problem ist die unterschiedliche Codierung der digitalen Inhalte, die sich bei Mainframe-, Midrange- und Desktop-Systemen unterscheiden. Bei unterschiedlichen Datenbanksystemen wird Übersetzungsarbeit nötig. Experten arbeiten mit eigens entwickelten Tools, die Informationen sicher maschinell umwandeln und die Integrität der Daten gewährleisten. Zudem muss geklärt werden, in welcher Anwendung die konvertierten Datensätze anschließend geöffnet, bearbeitet und ausgewertet werden.

5. Medienkonvertierung

Wenn Daten in einer bereits einheitlichen Dateiumgebung auf neue Medienträger überspielt werden sollen, genügt eine Medienkonvertierung. Hier liegt die Herausforderung im ständigen Wechsel der Bauformen verschiedener Bänder und Laufwerke. Selbst innerhalb einzelner Aufzeichnungsverfahren finden sich unterschiedliche Varianten. So verzeichnet Wikipedia zum Beispiel zurzeit mehr als 20 DLT-Varianten. Im Endergebnis sind die verschiedenen Arten nur zum Teil kompatibel. Eine bitweise 1:1-Kopie der Daten ist nach den vorher beschriebenen Schritten nur bedingt zu bewerkstelligen, da die Datenbanken der Backupsoftware anschließend die Daten auf neuen Medientypen unter Umständen gar nicht mehr kennen. Mit der nötigen Fachkenntnis und Änderungen an den richtigen Stellen kann aber sichergestellt werden, dass die Daten noch einen langen Lebenszyklus vor sich haben.

Nicht nur für IT-Archäologen – Datensicherheit mit Mehrwert

Erst die Datenkonvertierung ermöglicht langfristige, sichere und effiziente Datensicherung. Eine einheitliche Speicherlandschaft schafft erstens Sicherheit durch die Überspielung auf aktuelle Technologie und Hardware. Zudem schließt sie Fehler durch die Wartung verschiedener Systeme aus. Zweitens sinken die Kosten für Speicherplatz, Hardware, Stromkosten und damit auch die allgemeinen Betriebskosten. Drittens trägt Konvertierung dazu bei, gesetzliche Verpflichtungen der Datenaufbewahrung einzuhalten. Mittel- und langfristig ist das Unternehmensgedächtnis erst jetzt gesichert.

Peter Böhret, Managing Director, Kroll Ontrack GmbH