Interview: Erfolgschancen Datenrettung bei Hardwareschäden

  1. Wenn ich mich mit einer kaputten Festplatte an Sie wende, wie gehen Sie zunächst vor und mit welchen Kosten muss ich rechnen?
    Eine gute Datenrettung beginnt mit Sorgfalt. In einem telefonischen Gespräch nehmen die Experten den Fall auf. Je genauer dies geschieht, umso besser lassen sich schon zu diesem Zeitpunkt Rückschlüsse auf die Erfolgschancen ziehen. Manchmal können Daten sogar online ohne Ausbau der Platten gerettet werden. Andernfalls wird das Medium eingesendet und anschließend eine 1:1-Kopie erstellt, so dass das Original der Platte erhalten bleibt. Im nächsten Schritt erfolgt eine unverbindliche Diagnose und Analyse des Datenträgers. Der Kunde erhält eine Dateiliste mit Übersicht darüber, welche Daten gerettet werden können. Die Preise können sich je nach Aufwand durchaus unterscheiden. Jeder Fall ist anders. Ab 1.000 Euro kostet die Rettung einer Festplatte.

  2. Nach der Analyse folgt die Datenrettung. Im Normalfall: Mit welchen Hardware-Schäden haben Sie es gewöhnlich zu tun und wie lange dauert der Rettungs-Prozess in der Regel?
    Hardwareschäden sind mit ca. 80% die häufigste Ursache für einen Datenverlust neben den Bedienungsfehlern (26%). Headcrash, Verschleiß einzelner Teile, aber auch Beschädigungen des Controllers durch elektrostatische Effekte sind nur ein Teil der zahlreichen Ursachen. Es gibt keine absolute Sicherheit. Auch wer seine Datenträger pfleglich behandelt und vorbildlich lagert, ist gegen einen plötzlichen Ausfall nicht gefeit.

  3. Brand, Überflutung, Fall aus großer Höhe, wie stark darf die Platte beschädigt sein, damit eine Rettung immer noch gelingt? Bei welchen Schäden müssen Sie dann doch passen?
    Feuer, Wasser und große Höhen – was schlimm aussieht, ist meistens noch nicht das Ende. Fälle höherer Gewalt als Ursache von Datenverlust sind prozentual gesehen verschwindend gering. Sprich: Eine Datenrettung ist durchaus noch möglich. Sogar Festplatten, die mit der Columbia die Erdatmosphäre durchbrachen, kamen mit dem Datenleben davon. Kritisch wird es ja nach Material bei einer Temperatur von über 700 Grad – in der höchsten Flammenhitze – oder wenn wirklich die Datenträgerschicht unwiederbringlich beschädigt wird. Das unscheinbare Klacken eines Headcrashs ist damit eine viel größere Gefahr als Feuer oder Wasser.

  4. Wie sehen die Erfolgschancen bei Flash-Speicher aus? Welche Komponenten können in einer SSD oder einem USB-Stick kaputt gehen und wie beeinträchtigt das die Datenrettung?
    Die Erfolgschancen den oder die Speicherchips eines SSD-Mediums auszulesen, sind sehr hoch. Wir erhalten wenige Speicherchips, die wirklich defekt sind. Zumeist sind die Chips mechanisch zerstört oder gebrochen. In der Regel fallen die Controller der Speichermedien aus oder das Programm zur Steuerung der Speicherchips wird korrupt. Gleich ob SSD oder USB-Stick ist der Rettungsaufwand aber durchaus hoch. Ein reiner Austausch der Controller zum Beispiel ist meist nicht erfolgreich, da die Daten hierbei zumeist nur zum jeweils vorliegenden Speicherchip passen. Man müsste also alles eins-zu-eins nachbauen, was bei den verschiedenen Controllern und wenig Standardisierung sehr schwierig ist. Zudem stehen die Daten auch bei erfolgter Rettung nur in einem Rohformat zur Verfügung. Wieder muss die Arbeit des Controllers aufwendig simuliert werden. Wer SSD-Platten verwendet, sollte also besonders gut seine Daten sichern. Und wer USB-Daten retten möchte, muss bedenken, dass auch dies bei einem Hardware-Defekt sehr aufwändig und teuer wird.

  5. Wieder überschriebene Daten können Sie nicht wiederherstellen, oder?
    Überschreiben von Daten ist bei elektromagnetischen Platten das Ändern der magnetischen Information. Und dann lässt sich wirklich nichts mehr machen. Wer also überschreibt – und dies am besten mehrfach tut – löscht Daten wirklich.

Interview mit Peter Böhret, Managing Director, Kroll Ontrack GmbH